Studie: Ein Parasit im Gehirn könnte sich auf eure berufliche Karriere auswirken — kein Scherz

Toxoplasma Gondii

Erfolgreich, impulsiv und manchmal auch etwas leichtsinnig – sind das Eigenschaften, mit denen ihr euch selbst beschreiben würdet? Wenn ja, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass ihr euch einen Parasiten eingefangen habt.

Toxoplasma gondii ist in Deutschland weit verbreitet. Fast jeder Zweite trägt den Parasit in sich. Sein Hauptwirt sind Katzen, doch um sich von Katzenkörper zu Katzenkörper fortzubewegen, nutzen die Parasiten andere Wirbeltiere als Zwischenwirte, unter anderem auch den Menschen.

Ein Forscherteam wollte nun herausfinden, inwieweit der Parasit in der Lage ist, einen Menschen auf seinem Lebensweg zu prägen. Sie untersuchten in einer Studie, die im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society“ veröffentlicht wurde, knapp 1.300 Studenten auf Toxoplasmose-Antikörper und erfragten die Studienfächer der Probanden. Dabei kam heraus: Während die Infektionsquote bei allen nicht-wirtschaftlich orientieren Studiengängen rund 22 Prozent betrug, lag sie bei BWL-Studenten bei 31 Prozent.

Ein einziger Parasit kann euer Gehirn und eure Denkweise komplett verändern

Aber zurück zum Anfang: Warum kommt der Parasit überhaupt zu uns? Ziel der Toxoplasma ist es, dass ihr Zwischenwirt von einer Katze gefressen wird, um sich dort weiter fortpflanzen zu können. Deshalb beeinflussen sie gezielt das Verhalten ihres Opfers. Indem die Parasiten die molekulare Zusammensetzung der Synapsen im Gehirn verändern, werden die Wirte leichtsinniger und impulsiver. Auch ihre ursprüngliche Abneigung gegen den Geruch von Katzenurin legen die Tiere ab. „Man nimmt heute an, dass all dies früher zu einer Zunahme der Wahrscheinlichkeit geführt hat, Opfer von Raubkatzen zu werden“, erklärt Manfred Spitzer von der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Ulm, in der „Welt“.

Wird man von dem Parasiten einmal befallen und gelingt es ihm, die Darmwand des Zwischenwirtes zu durchdringen, bleibt er ein Leben lang im Körper und im Gehirn. Merken tut man davon meistens nichts.

Macht uns ein Parasit zum Unternehmer?

Aufbauend auf das Testergebnis der neuen Studie verwendeten Forscher die gleiche Methode für eine Untersuchung von erfolgreichen Unternehmern und verglichen sie mit anderen Personen, die (noch) kein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hatten. Hierbei kamen die Forscher auf ein ebenfalls erstaunliches Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, ein erfolgreiches Unternehmen gegründet zu haben, waren 1,8 Mal höher, wenn man Toxoplasma gondii in sich trug.

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Schließlich wurde die Untersuchung weltweit ausgedehnt und man betrachtete die jeweiligen Gehirn-Infektionsquoten der Staaten mit der Erwartung, dass unternehmerisch starke Länder, wie zum Beispiel die USA, eine hohe Infektionsquote haben würden. Hier fiel das Ergebnis jedoch überraschend anders aus. Die USA wiesen eine Infektionsquote von rund 16 Prozent auf. Da scheint Deutschland mit knapp 42 Prozent „besser“ abzuschneiden. Spitzenreiter ist Brasilien mit ganzen 60, 4 Prozent, dicht gefolgt von Ungarn, Indonesien, Jamaika und Kolumbien. Zumindest auf globaler Ebene dürfte der Parasit also nicht im Zusammenhang mit erfolgreichem Unternehmertum stehen.

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