Bericht: FBI untersuchte Trumps Russland-Beziehungen nach dem Rauswurf von Comey

2019 01 10T202351Z_1892705034_RC183C583030_RTRMADP_3_USA SHUTDOWNUS-Präsident Donald Trump entließ im Mai 2017 den FBI-Direktor James Comey. Darüber soll das FBI laut „New York Times“ so besorgt gewesen sein, dass eine Untersuchung der Spionageabwehr eingeleitet wurde, ob Trump absichtlich oder unabsichtlich für die Russen arbeite.

Zu dieser Zeit führte das FBI bereits eine gesonderte Untersuchung über eine Einmischung Russlands bei den US-Wahlen 2016 durch und insbesondere darüber, ob das Wahlkampfteam von Trump sich heimlich mit Moskau abstimmte, um das Rennen zu Gunsten Trumps zu beeinflussen.

„New York Times“: FBI war besorgt über die Entlassung von James Comey

Comeys Rauswurf veranlasste den Sonderermittler Robert Mueller, ein neues Kapitel in der Russland-Untersuchung zu eröffnen. Es sollte geprüft werden, ob Trump die Justiz behindern wollte, als er den FBI-Direktor feuerte. Der Bericht der „Times“ ist jedoch der erste Hinweis darauf, dass das FBI besorgt war, dass der Präsident selbst von Russland beeinflusst wurde und eine Spionageabwehr mit ihm als Ziel durchgeführt hatte.

Den FBI-Agenten war die Verbindung zwischen Trump und Russland bereits seit seiner Präsidentschaftskampagne 2016 verdächtig. Laut Angaben der „Times“ gab es jedoch einige Bedenken beim FBI, wie mit der brisanten Situation umgegangen werden sollte. Seine Entscheidung, Comey zu entlassen, veranlasste sie jedoch, die Ermittlungen voranzutreiben.

Trump hat Comey wiederholt auf Twitter attackiert

Trumps Ärger über Comey ist gut dokumentiert.  Der Präsident nahm den damaligen FBI-Direktor ins Visier, nachdem Comey im März 2017, zwei Monate vor seiner Entlassung, öffentlich die Existenz des FBI-Ermittlungsverfahrens gegen Russland bestätigte. Danach kritisierte Trump wiederholt Comey auf Twitter und spielte die Bedeutung von Enthüllungen der Kontakte zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland herunter.

Als Trump Comey plötzlich feuerte, gab das Weiße Haus anfangs als Begründung an, er sei wegen seiner Ermittlungen zu Hillary Clintons Nutzung eines privaten E-Mail-Servers in ihrer Zeit als Außenministerin entlassen worden. Das Weiße Haus gab auch eine Erklärung von Trump heraus, in der er sagte, er habe Comey auf Anraten des damaligen Justizministers Jeff Sessions und dessen Stellvertreters Rod Rosenstein gefeuert.

Trump erzählte später Lester Holt von NBC in einem Interview, dass er Comey zum Teil wegen „dieser russischen Sache“ entlassen habe und dass er Comey entlassen hätte, unabhängig davon, was Sessions oder Rosenstein ihm geraten hätten.

Trump soll Comey als „Spinner“ bezeichnet haben

Später wurde berichtet, dass sich Trump zwei Tage nach dem Rauswurf  von Comey während eines Treffens im Oval Office vor zwei russischen Top-Funktionären rühmte, die Entlassung des „Spinners“ habe ihm „großen Druck“ genommen. Er gab an, dass der Druck, dem er ausgesetzt war, von den Russland-Untersuchungen herrührte.

Einen Monat nach seiner Entlassung erklärte Comey öffentlich, dass Trump ihn mehrmals unter Druck gesetzt habe, die Russland-Untersuchungen einzustellen und die Ermittlungen des Büros gegen Michael Flynn, den früheren nationalen Sicherheitsberater, der danach zurücktreten musste, „sein zu lassen“. Es stellte sich heraus, dass er in der Übergangszeit nach der Wahl und vor seiner Vereidigung als Präsident mit dem russischen Botschafter die Sanktionen der USA gegen Russland besprach.

Trumps Anwalt ist unbeeindruckt

Trump hat alle Behauptungen von Comey bestritten. Viele davon werden jedoch durch Unterlagen von Comey und anderen hochrangigen Beamten des Justizministeriums unterstützt.

Auch andere Äußerungen von Trump, einschließlich Russland zu ermutigen, Clintons E-Mails während des Wahlkampfs zu hacken, wurden vom FBI unter die Lupe genommen wurde, berichtete die „Times“. Es ist laut „The Times“ unklar, ob Müller nach wie vor den Verdacht auf Spionage in den Ermittlungen berücksichtigt.

Trumps Anwalt Rudy Giuliani, von dem die Zeitung behauptete, er habe keine Kenntnis von der FBI-Untersuchung erhalten, scheint von dem Bericht unbeeindruckt zu sein: „Die Tatsache, dass es eineinhalb Jahre zurückliegt und nichts daraus hervorging, was einen Verstoß gegen die nationale Sicherheit beweist, bedeutet, dass sie nichts gefunden haben“, sagte er der „Times“.

Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Meyer

Das könnte euch auch interessieren:

 Ab heute verantwortet Trump den längsten Shutdown der US-Geschichte — ein Ende ist nicht in Sicht

 Ihr solltet diesen Satz von Trump an die Demokraten lesen — aus ihm spricht pure Verachtung

 Trumps Ex-Anwalt Cohen will vor US-Kongress „vollständig“ aussagen

Join the conversation about this story »

• Weiterlesen •