Eine über 19 Jahre laufende Studie enthüllt, welche zwei Fähigkeiten bei Kindern über späteren Erfolg entscheiden

Kinder unterhalten sich

Die frühren Jahre eines Menschen haben einen großen Einfluss darauf, wie erfolgreich er im späteren Leben sein wird. Deshalb legen Eltern einen großen Wert auf die Bildung. Grundschulkinder lernen bereits Fremdsprachen und besuchen zusätzlich zum regulären Unterricht noch Musikschulen oder sind in Sportvereinen angemeldet. Sogar im Kindergarten ist die Vermittlung von Wissen ein wichtiger Bestandteil des Alltags.

Doch wie eine Studie, die Menschen vom Kindergarten bis ins junge Erwachsenenalter begleitet hat, zeigt, sind es nicht die Fähigkeiten, die Kinder im Unterricht lernen, wie Lesen oder Schreiben, die den Erfolg im späteren Leben beeinflussen. Stattdessen bestimmen die emotionalen und sozialen Fähigkeiten eines Kindes, wie wahrscheinlich es beispielsweise studieren oder kriminell werden wird.

Statt Lesen und Schreiben sind Fähigkeiten wie Teilen, Helfen oder Zuhören von großer Bedeutung

Durchgeführt wurde die Untersuchung von Forschern der Penn State und der Duke Universität in drei Städten und einer ländlichen Umgebung in den USA. Dabei folgten die Wissenschaftler von 1991 bis 2001 über 750 Kindern von ihrem fünften Lebensjahr bis ins junge Erwachsenenalter. 

„Wir haben untersucht, ob die Sozialkompetenz im frühen Kindesalter Lebensereignisse voraussagen kann, die bis zu zwei Jahrzehnte in der Zukunft liegen. Wir haben solche Ereignisse, die das persönliche Wohlergehen im Allgemeinen repräsentieren, bewertet und außerdem die Bereiche Bildung, Arbeit, Kriminalität, Drogenkonsum und psychische Gesundheit untersucht“, erklären die Autoren der Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „American Journal of Public Health“ veröffentlicht wurde.

Die Daten wurden mithilfe verschiedener Informationsquellen gesammelt. Die Forscher haben Kindergartenpädagogen über die soziale und emotionale Kompetenz der Fünfjährigen befragt und Lehrer gebeten, Fähigkeiten wie Teilen, Helfen, Zuhören oder Problemlösen zu beurteilen. Außerdem haben die Studienautoren Selbstberichte der Probanden und öffentliche Aufzeichnungen ausgewertet.

Um den Zusammenhang zwischen emotionalen beziehungsweise sozialen Fähigkeiten und der Zukunft der Kinder zu bestimmen, haben die Wissenschaftler den Kindern je Ausprägung der Fähigkeiten Punkte gegeben. Je mehr der Nachwuchs mit anderen geteilt, zugehört oder geholfen hat, desto mehr Punkte haben die Kinder erhalten. 

Soziale Kompetenzen beeinflussen den Erfolg und Misserfolg von Kindern in der Zukunft

„Wir haben statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen gemessenen sozial-emotionalen Fähigkeiten im Kindergarten und wichtigen Ergebnissen junger Erwachsener in den verschiedenen Bereichen Bildung, Beruf, kriminelle Aktivitäten, Drogenkonsum und psychische Gesundheit gefunden“, schreiben die Autoren.

Mit jedem weiteren Punkt, den die Kindergartenkinder erhalten haben, hat sich die Wahrscheinlichkeit, später einen Hochschulabschluss zu erwerben, verdoppelt. Auch die Chance, eine Vollzeitstelle im Alter von 25 Jahren zu haben, stieg mit der Anzahl der Punkte.

Die Studie zeigt jedoch nicht nur die positiven Effekte einer hohen sozialen Kompetenz im jungen Alter. Es wird auch deutlich, dass geringe soziale und emotionale Fähigkeiten nicht nur die Erfolgschancen verringern, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Kriminalität und Drogenmissbrauch steigen lassen. Fünfjährige, die im Kindergarten Schwierigkeiten hatten, mit anderen zusammenzuarbeiten oder Konflikte zu lösen, hatte später sowohl Probleme in der Schule als auch rechtliche Probleme im Erwachsenenalter.

Mit jedem Punkt weniger bei der Sozialkompetenz im Kindergartenalter ist laut der Studie die Wahrscheinlichkeit, im jungen Erwachsenenalter verhaftet zu werden, bei den Probanden um 67 Prozent gestiegen. Außerdem hat ein Punkt weniger eine 52 Prozent höhere Gefahr des Alkoholmissbrauchs bedeutet.

Förderung emotionaler oder sozialer Fähigkeiten

Die Ergebnisse haben damit nicht nur eine große Relevanz für Eltern, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Gute Nachrichten gibt es für alle, deren Kinder bereits zu alt für den Kindergarten sind, denn auch im Schulalter ist es noch nicht zu spät, emotionale oder soziale Fähigkeiten zu trainieren, um die Zukunft positiv zu beeinflussen.

Weiter betonen die Autoren, dass noch mehr Studien auf diesem Gebiet benötigt werden: „Weitere Untersuchungen der sozial-emotionalen Fähigkeiten im Kindergarten können nützlich sein, um zu beurteilen, ob Kinder durch Defizite bei nicht-kognitiven Fähigkeiten im späteren Leben gefährdet sind und so dazu beitragen, diejenigen zu identifizieren, die eine frühzeitige Förderung benötigen.“

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