Studie zeigt erstmals, dass wahrscheinlich nicht Zucker, Fett und Salz der Grund sind, wenn ihr übergewichtig seid

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Zu viel Zucker, zu viel Salz und zu viel Fett. 

Jahrelang wurde uns erzählt, dass das die ausschlaggebenden Komponenten dafür sind, dass die Fettleibigkeitsrate steigt und das Abnehmen bei vielen nicht funktioniert. 

Doch eine bahnbrechende Studie, die in einem hochmodernen Ernährungslabor im US-Bundesstaat Maryland durchgeführt wurde, zeigt nun erstaunliche Ergebnisse. Die Untersuchung ergab, dass die Nährwerte von dem, was ihr esst, möglicherweise nicht annähernd so wichtig sind wie die Frische unserer Lebensmittel.

Verarbeitete Lebensmittel beunruhigend schlecht für den Körper

Ernährungsexperten des US-amerikanischen National Institute of Health haben dafür nun einige der ersten Beweise, die am vergangenen Donnerstag in der Zeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlicht wurden. Die Art und Weise, wie der Körper verarbeitete, abgepackte und verzehrfertige Lebensmittel aufnimmt, könnte beunruhigend schlecht für euch sein. Es bringt euch wohl auch dazu, dass ihr jeden Tag wesentlich mehr esst und mit der Zeit dicker werdet. Wenn ihr stattdessen regelmäßig frische und hausgemachte Mahlzeiten zu euch nehmen würdet, könnte euch das beispielsweise viel besser beim Abnehmen helfen. 

„Ich war sehr überrascht, dass wir so einen riesigen Effekt beobachten konnten“, sagte der leitende Forscher der Studie, Kevin Hall, gegenüber Business Insider. 

Für die Studie machte Hall etwas Ungewöhnliches: Er brachte die menschlichen Teilnehmer in ein hyperkontrolliertes Labor, in dem sie 28 Tage lang in Isolation und unter strenger medizinischer Beobachtung alle ihre Mahlzeiten aßen. Währenddessen analysierten die Wissenschaftler Veränderungen der Insulinempfindlichkeit, des Appetits, der Glukose und einer Vielzahl anderer metabolischer und physischer Faktoren.

Forscher konnten etwas Unerwartetes beobachten

Forscher der Bethesda Metabolic Clinical Research Unit führten die Studie mit zehn Männern und zehn Frauen durch. In den ersten zwei Wochen versorgten sie die Teilnehmer mit extrem verarbeiteten Lebensmitteln und in den darauffolgenden 14 Tagen mit frischen. 

Einige Teilnehmer nutzten ihre Zeit im Labor, um für Prüfungen zu lernen, während andere Videospiele spielten, sagte Hall. „Menschen betrachten das oft als eine Möglichkeit, um sich vom Alltagsstress zu lösen und sich auf etwas anderes zu konzentrieren, während all ihre Mahlzeiten für sie zubereitet werden“, sagte er.

Die Ernährung der Teilnehmer wurde genau aufeinander abgestimmt, so dass sie unabhängig davon, ob ihnen verarbeitete oder unverarbeitete Mahlzeiten angeboten wurden, genau die gleiche Menge an Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Salz und Zucker zu sich nahmen. Sie wurden angewiesen, innerhalb von 60 Minuten so viel zu essen, wie sie wollten. Zwei Wochen lang bestand ihre Ernährung aus verarbeiteten Lebensmitteln, danach aßen sie zwei weitere Wochen lang frische Mahlzeiten.

Etwas Bemerkenswertes geschah und es war überhaupt nicht das, was die Forscher erwartet hatten.

Teilnehmer nahmen bis zu einen Kilo zu

Die Teilnehmer konsumierten während der Ernährungsform mit verarbeiteten Lebensmitteln im Durchschnitt 500 zusätzliche Kalorien pro Tag. Die Mahlzeiten bestanden dabei aus Lebensmitteln wie Hot Dogs, Tiefkühl-Pfannkuchen, Chili con Carne aus der Dose und Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwiches. Alles Lebensmittel, die euch wohl nicht besonders gut beim Abnehmen helfen, denn diejenigen, die diese verarbeiteten Lebensmittel konsumierten, nahmen in diesen zwei Wochen auch um etwa einen Kilo zu. Unabhängig vom Gewicht oder Geschlecht der Person aßen sie dabei mehr Kohlenhydrate und Fett.

„Der Unterschied ist sehr groß und auch sehr wichtig“, sagte Hall. „Es gibt tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen extrem verarbeiteten Lebensmitteln und der Menge an Kalorien, die die Menschen zu sich nehmen.“ Somit solltet ihr lieber auf frische Lebensmittel zurückgreifen, damit ihr beim Abnehmen nicht unbewusst mehr Kalorien zu euch nehmt.

Das Ergebnis passt zu dem, was Langzeitstudien an Menschen zu Hause vermuten lassen: Der Verzehr von mehr verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln ist nicht gut für uns, da die Sterbewahrscheinlichkeit steigt und das Risiko für alle Arten von Krebserkrankungen.

Alles wurde weitestgehend frisch zubereitet

Der Unterschied zwischen verarbeiteten und unverarbeiteten Speisen ist oberflächlich betrachtet subtil. Beide enthalten Getreide, Eier, Bohnen und Nudeln. In der unverarbeiteten Gruppe waren die Zutaten jedoch frischer. Sie enthielten keine Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel. Zusätzlich wurden vollwertige Lebensmittel und unraffinierte Zutaten verwendet (Eier und Kartoffeln wurden zum Beispiel frisch und nicht als Fertigprodukte genutzt). Auch wurden beispielsweise schwarze Bohnen aus getrockneten Bohnen gekocht, anstatt auf die aus der Dose zurückzugreifen.

Das unverarbeitete Frühstück bestand unter anderem aus Joghurt, Nüssen und viel frischem Obst. Das Mittagessen bestand an einem Tag zum Beispiel aus einem Spinatsalat mit Hühnerbrust, Äpfeln, Bulgur und Sonnenblumenkernen — gesunde Lebensmittel, die euch auch beim Abnehmen unterstützen können.

Das soll nicht heißen, dass alles auf dem unbearbeiteten Menü komplett neu zubereitet wurde. Quinoa-Frühstücksflocken wurden angeboten und auch gefrorene Beeren und Mais waren erlaubt.

Frische Lebensmittel Salat Obst gesund

Menschen aßen mehr verarbeitete Lebensmittel

Wissenschaftler sind sich allerdings immer noch nicht sicher, warum die Teilnehmer lieber unverarbeitete Lebensmittel aßen, obwohl beide Ernährungsformen geschmacklich gleich bewertet wurden. Man geht jedoch davon aus, dass es an der Art und Weise liegen könnte, wie unverarbeitete Vollwertkost mit den Hormonen interagiert, die euch helfen, euren Appetit zu unterdrücken und eure Aufmerksamkeit auf natürliche Signale zu richten, die euch sagen, wann ihr satt sind.

Eine weitere Möglichkeit könnte sein, dass ihr unverarbeitete Lebensmittel schneller esst und euer Körper auf diese Weise keine Zeit hat, um euch zu signalisieren, dass ihr satt seid. Das führt dann dazu, dass ihr zu viel esst, was gerade beim Abnehmen sehr kontraproduktiv ist. „Der Punkt ist, dass unsere Abhandlung diese Frage nicht beantwortet“, sagte Hall.

verarbeitete Lebensmittel Essen

Der Konsum von abgepackten Lebensmitteln hat etwas von Bequemlichkeit. Kevin Hall selbst Vater von Kindern, die gerne mal Chicken Nuggets essen — versteht das Problem, dass man sich fragt, was man essen soll, sehr gut.

Zum Abnehmen solltet ihr lieber auf frische Lebensmittel setzen

„Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass die Menschen ihren Alltag leben“, sagte er. „Extrem verarbeitete Lebensmittel haben viele Vorteile in Bezug auf ihren Komfort. Sie sind günstig. Sie werden eine Weile lang nicht schlecht. Man muss nicht alle frischen Zutaten zur Hand haben, die auch noch schnell verderben könnten. Man braucht keine speziellen Küchenutensilieren, um diese Mahlzeiten zuzubereiten.“

Dennoch sagte er, dass ihr versuchen solltet, den Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren. Das hilft euch dabei, euer Gewicht zu halten und vor allem auch beim Abnehmen.

Diese Abnehm-Methode ist jedoch nicht gerade günstig. In dieser Studie haben die Mahlzeiten aus extrem verarbeiteten Lebensmitteln pro Woche etwa 106 US-Dollar gekostet, was umgerechnet etwa 95 Euro sind. Dahingegen kamen die Gerichte aus unverarbeiteten Lebensmitteln pro Woche auf 151 US-Dollar, also etwa 135 Euro.

Dieser Artikel wurde von Claudia Saatz aus dem Englischen übersetzt.

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