Trump schießt gegen Europas wichtigste Bank — und merkt gar nicht, dass er sich selbst entlarvt

Donald Trump hat einen neuen Gegner ausgemacht: die Europäische Zentralbank.

Er hat es wieder getan. Er hat diesen Dienstagmorgen wieder getwittert und einmal mehr gegen Europa geschossen. Genau genommen gegen Europas wichtigste Bank, die Europäische Zentralbank, kurz EZB. Donald Trump kann es eben nicht lassen mit seinen Klagen.

Zugegeben: Ganz Unrecht hat der US-Präsident mit seinem Tweet ja nicht. Er schrieb: „[EZB-Chef] Mario Draghi hat gerade angekündigt, dass weitere Stimuli kommen könnten, was den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließ.“ Das mache es „ihnen“ — vermutlich den Euroländern — zu Unrecht leichter, gegen die USA zu konkurrieren. „Damit kommen sie seit Jahren durch, zusammen mit China und anderen.“

Tatsächlich hatte EZB-Präsident Draghi kurz zuvor eine zusätzliche Lockerung der bereits expansiven Geldpolitik im Währungsraum in Aussicht gestellt. Sollte sich der Wirtschaftsausblick nicht bessern, sei dies erforderlich, sagte er auf der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra. Prompt reagierte der Euro auf die Ankündigung mit Kursverlusten gegenüber dem Dollar von etwa einem halben Cent.

Trumps Empörung wirkt scheinheilig

Tatsächlich kann man das als Vorteil für Unternehmen in Euroländern werten. Das gilt vor allem für Firmen, die stark von Exporten in die USA abhängen. US-Kunden können Waren aus dem Euroraum billiger einkaufen, wenn der Euro an Wert verliert. Im Wettbewerb mit US-Unternehmen kann das für europäische Unternehmen durchaus den entscheidenden Unterschied machen. Verbraucher in den Euroländern verlieren jedoch in diesem Spiel. Für sie werden Produkte, die aus Nicht-Euro-Ländern stammen, teurer. Kurzum: Mit seiner Analyse hat der US-Präsident  Recht.

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Allerdings wirkt Trumps Empörung wie so oft scheinheilig. Denn was er jetzt an der EZB kritisierte, forderte er monatelang von der US-Notenbank. Ginge es nach dem US-Präsidenten, hätte auch die Federal Reserve längst eine viel lockerere Geldpolitik betreiben, den Dollar schwächen und so die heimische Wirtschaft ankurbeln sollen. Die Währungshüter aber weigerten sich, das zu tun, auch weil die US-Wirtschaft ohnehin schon kräftig wuchs und die Arbeitslosenzahl historisch niedrig war. Trump wütete. Er unterstellte den Währungshütern, keine Ahnung von ihrem Job zu haben.

Einmal mehr misst Trump also mit zweierlei Maß. Wenn es um die Förderung der eigenen Wirtschaft geht, ist offenbar alles erlaubt. Wenn es die anderen tun, ist es dagegen gleich unfair. Ein typischer Trump eben.

mit Material von dpa

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