Vorsicht, Deutschland: China duldet keine Belehrungen von außen — diese Länder lernten das auf die harte Tour

Medienliebling: Hongkong-Demonstrant Joshua Wong zu Besuch in Deutschland.

Es war bislang die Woche des Joshua Wong auf der Berliner Polit-Bühne. Der wohl bekannteste Hongkonger Aktivist wurde wie ein Staatsgast hofiert. Fotos mit Bundestagsabgeordneten hier, Plauderei mit dem deutschen Außenminister da, Interviews hier, Interviews da. Und Wong lieferte, sagte Sätze wie diesen: „Hongkong ist das neue Berlin in einem neuen Kalten Krieg.“ Oder diesen: „Wir kämpfen immer noch für unsere grundlegenden Rechte und Demokratie.“ Ja, Wong forderte sogar freie Wahlen und klagte: „Dieses Versprechen wird von Peking nicht erfüllt. Sie setzen auf unnachgiebige Unterdrückung.“

China reagiert empfindlich

In Peking dürften sie gar nicht entzückt gewesen sein über die Berliner Bilder, Worte, Taten. Hongkong ist in einer schwierigen Lage, klar. Hongkong ist gespalten zwischen denen, die ihre Freiheitsrechte behalten wollen, und denen, die treu hinter Pekings autoritärem Regime stehen. Hongkong aber, finden sie in Peking, sei eine innere Angelegenheit. Und Wong ist für sie ein Separatist, der die gesondert verwaltete Metropole aus Pekings Griff winden will. Jetzt macht sich Deutschland auch noch mit Wongs Kampf gemein, so der Eindruck. Prompt zitierte die chinesische Regierung den deutschen Botschafter zu sich. „Wir haben unsere tiefe Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht“, hieß es nachher. Der „Zwischenfall“ werde negative Folgen für die bilateralen Beziehungen haben.

Dass China empfindlich reagiert, wenn es westliche Einmischung in innere Angelegenheiten vermutet und seine Eigenständigkeit nicht genügend respektiert sieht, hat es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder bewiesen. Das ist auch auf historische Erfahrungen zurückzuführen, wie Katja Levy, Professorin für Recht und Politik Chinas an der Freien Universität Berlin, erklärt. „Für Chinas Führung ist es sehr wichtig, Souveränität zu demonstrieren“, sagt sie Business Insider. „Der Schock der ausländischen Einmischung im 19. Jahrhundert sitzt immer noch tief.“ Hongkong sei ein Andenken an diese für China demütigende Zeit. „Denn die Chinesen haben die Insel im Vertrag von Nanjing nach dem ersten Opiumkrieg an die Briten abtreten müssen und erst 1997 zurückerhalten.“

Das könnte euch auch interessieren:

 Das sind die 15 stärksten Armeen der Welt — eine Großmacht fällt überraschend zurück

 Goldener Ausweg oder blanke Panik? China greift zu neuem Mittel, um sich gegen Trump zu behaupten

 In den Fängen der Supermächte: Einstiges Paradies wird für Apple immer mehr zum Albtraum

1. Norwegen und der Nobelpreisträger

China hatte das in Norwegen ansässige Nobelkomitee gewarnt: Macht Liu Xiaobo, chinesischen Menschenrechtler und China-Systemkritiker, nicht zum Friedensnobelpreisträger! Liu war zu diesem Zeitpunkt nämlich nicht mehr nur Dissident, sondern auch Häftling Chinas. Er habe die Staatsgewalt untergraben, hatte es im Urteil 2009 geheißen.

Das Komitee hörte nicht auf China. Es machte Liu zum Friedensnobelpreisträger 2010 und löste damit einen Eklat aus. China ließ Liu für den Festakt nicht ausreisen. Bei der Zeremonie in Oslo im Dezember 2010 blieb Lius Stuhl leer.

China ging noch weiter. Es bestrafte Norwegen als Ganzes. Es fror Handelsgespräche ein, ja verweigerte norwegischen Fischern damit großteils den Zugang in den lukrativen chinesischen Markt. Es sagte Treffen mit norwegischen Diplomaten ab. Jahrelang bekam die norwegische Regierung in Peking keinen Fuß mehr auf den Boden.

Erst Ende 2016 normalisierte sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern. Zufrieden verkündete Chinas Außenministerium, Norwegen habe „tiefgründig darüber nachgedacht, warum das bilaterale Vertrauensverhältnis beschädigt wurde.“ Norwegen wiederum gab an, es „respektiert vollständig Chinas Souveränität und territoriale Integrität.“ Es werde keine Aktionen unterstützen, die dies untergraben würden. Künftig würde es sich bestmöglichst darum bemühen, die bilateralen Beziehungen nicht weiter zu beschädigen. Norwegische Lachsexporteure freuten sich. Ihre Aktienkurse stiegen.

2. Großbritannien und der Dalai Lama

Er wagte es tatsächlich. Er lud den Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter und Symbol der tibetischen Absetzbewegung von China, zu sich in die Downing Street 10 ein. David Cameron, im Jahr 2012 noch britischer Premierminister, bekam danach den Zorn Pekings zu spüren. Peking will nämlich jegliche Unabhängigkeitsbestrebungen in seiner Westprovinz Tibet im Keim ersticken.

Die chinesische Regierung sagte zahlreiche Treffen mit hochrangigen britischen Ministern ab. Handelsverträge mit der aufstrebenden Wirtschaftsmacht in Asien konnten die Briten fürs Erste vergessen, wie die „Financial Times“ dokumentierte.

Cameron gab kurze Zeit später nach. Er soll den Chinesen sogar versprochen haben, den Dalai Lama in naher Zukunft nicht mehr treffen zu wollen. Er wolle mit Peking ein „neues Kapitel aufschlagen“. China willigte ein. Plötzlich waren große Handelsverträge zwischen den beiden Ländern doch wieder möglich.

Als der Dalai Lama im September 2015 erneut in London war, schlug der britische Premierminister ein Treffen aus. Das geistliche Oberhaupt reagierte in einem Interview mit „Spectator Magazine“ zynisch. Was er Cameron gern vorhalten würde, wurde er gefragt. Er antwortete: „Geld, Geld, Geld. Darum geht es. Wo ist die Moral?“

3. Kanada und die Huawei-Kronprinzessin

Dezember 2018. Plötzlich geht alles ganz schnell. Zuerst nehmen kanadische Behörden Meng Wanzhou, Tochter von Ren Zhengfei, Gründer des chinesischen Handygiganten Huawei, fest. Meng soll US-Sanktionen gegen den Iran verletzt haben. Deshalb verlangen US-Behörden ihre Auslieferung in die USA. Ein kanadisches Gericht muss entscheiden, ob das auch geschehen soll. Ein ganz normaler juristischer Vorgang? Findet Peking nicht und schlägt zurück.

Wenige Tage später nimmt China seinerseits zwei kanadische Staatsbürger gefangen. Wenige Wochen später trifft Chinas Bann kanadische Rapsproduzenten. Schließlich nimmt Peking auch noch die kanadische Fleischindustrie ins Visier.

Früh bezeichnet Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland das chinesische Vorgehen als „willkürlich“ — und verschlimmert die Lage damit eher noch. Bis heute herrscht zwischen Ottawa und Peking praktisch Funkstille. Dabei klingen nicht die Chinesen immer verzweifelter, sondern die Kanadier. Mit Dominic Barton, einem ausgewiesenen China-Kenner, will Ottawa jetzt die Beziehungen wieder verbessern. Anfang September wurde er neuer kanadischer Botschafter in Ottawa. Normalisiert haben sich die Beziehungen seitdem aber nicht. Noch immer stecken die beiden kanadischen Staatsbürgern in chinesischen Gefängnissen.

Den Rest der Story gibt es auf Business Insider Deutschland

• Weiterlesen •