Mehr Freizeit als Arbeit? Der Personalchef von Infineon räumt mit einem Vorurteil gegenüber der Generation Z auf

Generation Z

Wenn es um ihre Einstellung zur Arbeit geht, werden junge Menschen ja häufig als Drückeberger angesehen. Ein Vorurteil, das vor allem die Generation Z immer wieder zu hören bekommt. Zu dieser Spezies werden Nachwuchskräfte des Geburtsjahrgangs 1995 und jünger gezählt. Was sie von allen älteren Generationen unterscheidet, ist das Bedürfnis nach einer strikten Trennung von Arbeit und Freizeit.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung etwa hat vor einiger Zeit ermittelt, dass U25-Jährige heutzutage am liebsten deutlich weniger arbeiten würden. Ihr Ideal liegt demnach bei 25 (Frauen) bzw. 28 Stunden pro Woche (Männer). Manche Beobachter leiten daraus fehlende berufliche Ambitionen, mitunter sogar generelle Mängel in der Arbeitseinstellung ab.

Infineon-Personalchef: Generation Z nicht weniger motiviert als andere Generationen

Dabei sagt die reine Arbeitszeit erst einmal wenig über die grundsätzliche Leistungsbereitschaft aus. Thomas Marquardt, Personalchef beim Technologieunternehmen Infineon, ist überzeugt: Junge Mitarbeiter sind heutzutage nicht weniger motiviert als früher. Auch die Generation Z treiben ambitionierte Ziele an. Nur: Wenn Motivation am Ende auch zu einer Top-Performance führen soll, ist „eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit“, wie es Marquardt nennt, die Grundvoraussetzung. „Wir alle können nur dann Höchstleistungen für das Unternehmen erbringen, wenn wir gesund und ausgeglichen sind“, sagt er. „Dazu gehört, Freiräume zu schaffen.“

Infineon

Vielleicht ist das die entscheidende Kompetenz, die die Generation Z allen anderen auf dem Arbeitsmarkt vertretenen Altersgruppen voraus hat: das richtige Gespür dafür zu entwickeln, wann Körper und Geist Erholung benötigen, um im entscheidenden Moment wieder volle Leistung erbringen zu können.

Was aufstrebenden Nachwuchskräften häufig als Faulheit ausgelegt wird, ist in Wahrheit womöglich nur Selbsterhaltungstrieb. Personalchef Marquardt würde sagen: „Verantwortung“ für die eigene berufliche Entwicklung. Diese Fähigkeit geht der Generation Y zum Beispiel mehrheitlich ab. Sie hat den Ruf weg, überehrgeizig zu sein und auch über die normalen Arbeitszeiten hinaus zu malochen — auf Kosten von Ruhe- und Erholungsphasen. Wer altersmäßig in diese Gruppe fällt, ist wesentlich anfälliger dafür, ein Burnout zu erleiden

Wenn man so will, war es die Generation Z, die eine effektive Gegenstrategie zu den gestiegenen Ansprüchen und Belastungen der modernen Arbeitswelt entworfen hat: in Form von regelmäßiger Frei- und Auszeit. In Recruitingprozessen bekommt Marquardt vor Augen geführt, dass junge Bewerber diese Werte bei der Auswahl ihres Arbeitgebers als Verhandlungsmacht einsetzen. „Wir wissen“, sagte er, „dass Work-Life-Balance ein wichtiges Thema ist und zur Entscheidung mit beiträgt“.

Junge Menschen achten bei der Jobsuche besonders auf eine gute Work-Life-Balance 

In der Tech-Branche, in der Infineon zuhause ist, kann dieser Faktor wettbewerbsentscheidend sein. Auf diesem Markt sind Fachkräfte äußerst begehrt. Eine ganze Reihe namhafter internationaler Konzerne kämpft um die größten Talente. Wer High Performer für sich gewinnen will, muss ihnen abseits von Posten, Einfluss und Gehalt etwas bieten können. Bei Infineon hat man frühzeitig versucht, sich strategisch auf den Megatrend Work-Life-Balance auszurichten.

Die Bewertungsplattform Glassdoor hat kürzlich die Qualität solcher Angebote in Unternehmen gemessen. Infineon landete in dem Ranking auf Platz fünf — als bester Dax-Konzern. Auch ein Resultat der speziellen Ausrichtung auf die Bedürfnisse von Nachwuchskräften.

Wer will, kann in Absprache mit seinem Vorgesetzten aus dem Home Office arbeiten, zum Teil auch uneingeschränkt. „Wir vertrauen unseren Mitarbeitern, dass sie sich selbst ihre Arbeitszeit am besten einteilen können. Diese Freiheit gibt Energie und Motivation“, sagt Marquardt.

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Was gerade bei jungen Mitarbeitern mitunter noch besser ankommt: Wer mindestens drei Jahre lang im Unternehmen arbeitet, kann innerhalb seiner Vertragslaufzeit bis zu zwölf Monate Sabbatical machen. Je nachdem, wie oft sich das Angestelltenverhältnis verlängert, auch mehr als einmal. „Sabbaticals sind eine sehr gute Möglichkeit, sich Träume zu erfüllen“, sagt Marquardt. „Danach starten Mitarbeiter mit neuem Tatendrang in ihre Aufgaben.“

Sich Arbeit zu entziehen, muss eben nicht mit fehlendem Arbeitswillen zu tun haben. Freizeit ist auch eine Vorbereitung darauf, wieder leistungsfähig zu sein.

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