„Check Check“ mit Klaas: Die neue Joyn-Serie macht die Probleme von Prosiebens Streaming-Dienst deutlich

Joyn.CheckCheck

  • Seit dieser Woche ist die neue Serie „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf bei der Streamingplattform Joyn abrufbar. 
  • Prosiebensat.1, das hinter Joyn steht, versucht mit der Serie und ihrem Hauptdarsteller, neue Nutzer für die Streamingplattform zu gewinnen. 
  • Dabei setzt Prosiebensat.1 vor allem auf deutsche Comedyserien — doch lassen sich damit wirklich neue Zuschauer zu Joyn locken?
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Es gab eine Zeit, da war Stefan Raab bei Prosieben die Antwort auf alles. Der Quotengarant. Um den schwankenden Einschaltquoten und sinkenden Werbeeinnahmen im Fernsehgeschäft entgegenzuwirken, setzten die Programmmacher bei Prosieben einfach auf mehr Inhalte von und mit Raab. In manchen Wochen sah man den Entertainer an fünf von sieben Abenden im Fernsehen.

Stefan Raab ist seit 2016 Fernsehgeschichte, aber Prosieben hat das Prinzip Raab beibehalten. Nur dass es heute wohl eher Prinzip Joko und Klaas genannt werden könnte. Denn seit einigen Jahren sind es Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt, die in unzähligen Formaten als Moderatoren, Kandidaten oder Juroren — mal als Duo, mal alleine — in Erscheinung treten. Insofern verwundert es nicht, dass Prosiebensat.1 bei seinem neuen Streamingdienst Joyn ebenfalls auf Klaas Heufer-Umlauf als Zugpferd setzt. Aber passen Streaming und Klaas überhaupt zusammen?

Joyn: Deutsche Comedy goes Streaming

Im Juni ging die neue Plattform Joyn, die Netflix, Amazon und Sky Konkurrenz machen soll, an den Start. Seither hat Prosiebensat.1 darauf auch eine Handvoll Originals, Eigenproduktionen, veröffentlicht. Seit Anfang dieser Woche ist auch die erste Folge von „Check Check“ abrufbar. Die Comedyserie wurde nicht nur von Heufer-Umlauf produziert, er versucht sich darin auch als Schauspieler und übernimmt die Hauptrolle. Genauer gesagt spielt er einen Berliner Möchtegern-Startup-Gründer, der in seine fiktive Heimatstadt Simmering zurückkehrt und im dortigen Regional-Flughafen am Sicherheitscheck zu arbeiten beginnt, um sich um seinen dementen Vater zu kümmern.

Wem die Geschichte irgendwie bekannt vorkommt, der sei daran erinnert, dass es nicht erst seit „Sweet Home Alabama“ mit Reese Witherspoon ein allzu beliebtes Motiv in Komödien ist, vom Heimatkaff entfremdete Großstädter zu ihren Wurzeln zurückkehren zu lassen. Auch wenn Kritiker an „Check Check“ einiges zu bemängeln haben — darunter plumpe Terroristen-Witze oder Heufer-Umlaufs wenig facettenreiches Schauspiel—, ist die Serie im Kern genau das, was Prosieben-Chef Max Conze Anfang des Jahres im Gespräch mit Business Insider für den Streamingdienst angekündigt hat: „Mehr lokalen und Live-Content, mehr Comedy, News und mehr große Shows.“ Denn: „All das können Amazon oder Netflix nicht in diesem Maße bieten.“

Auch die übrigen Originals, die Joyn gerade im Programm hat, sind in der Comedyschiene angesiedelt. Dass Prosiebensat.1 gleich für zwei Serien — „Frau Jordan stellt gleich“ und nun „Check Check“ — den früheren „Stromberg“-Autoren Ralf Husmann verpflichtet hat, kann wohl auch kein Zufall sein. Prosiebensat.1 hofft offenbar, bei Joyn jenen Comedy-Kult zu schaffen, der mit „Stromberg“ einst im Fernsehen gelang. Und Netflix hat ja mit unzähligen Eigenproduktionen bewiesen, dass einzigartige Inhalte mit Kultcharakter das Interesse und die Abonnenten-Zahlen nach oben treiben können.

Joyn mit Startschwierigkeiten — Heufer-Umlauf soll’s richten

Nun, um Abonnenten geht es Joyn im ersten Schritt noch nicht. Die Inhalte der Streamingplattform sind derzeit kostenlos abrufbar. Der Nutzer muss nur einige Werbeeinschaltungen während des Streamings in Kauf nehmen. Das soll sich künftig ebenfalls ändern — mit einem Premiumzugang für 6,99 Euro können Nutzer werbefrei Inhalte streamen (neben Video-on-Demand übrigens auch Livefernsehen).

Den Ansatz, den Prosiebensat.1 da verfolgt, kennt man gut von Plattformen wie Spotify: zunächst die Nutzer mit kostenlosen Inhalten anlocken, dann auf ein Premium-Modell ohne Werbung setzen. Doch ob das mit dem Anlocken bei Joyn derzeit so gut klappt, kann man noch nicht final beurteilen: Laut Erhebungen von IVW konnte Joyn zwar einen starken Start im Juni hinlegen und in den ersten Monaten an Aufrufen zulegen. Nach wie vor kommt die Streamingplattform aber nicht an den direkten Konkurrenten RTL Now heran. Im September fuhr Joyn sogar Verluste bei den Visits ein — für eine so junge Plattform mit einem ambitionierten Ziel doch enttäuschend.

Bei Prosiebensat.1 gibt man sich nach wie vor optimistisch. Joyn-Chefin Katja Hofem sagte im Gespräch mit dem Branchenmagazin „DWDL“, man sei „sehr, sehr happy“ mit der Entwicklung. Vielleicht bekommt Joyn im Oktober durch die Starpower von Klaas Heufer-Umlauf ja den gleichen Push, den man sich auch bei Fernsehsendungen erwartet, wenn man ihn als Moderator einsetzt. Zumindest dürfte Prosiebensat.1 das stark hoffen. Denn die Reaktionen auf die ersten Joyn Originals fielen eher bescheiden aus. Ein echter Hype hat sich noch um keine Eigenproduktion entwickelt. Oder wie Daniel Gehrhardt in der „Zeit“ schreibt: „Der Streamingdienst möchte sich damit als heimische Antwort auf die internationale Konkurrenz positionieren, doch bisher sind selbst die deutschen Netflix-Projekte besser als ihre Joyn-Alternativen.“

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Insofern könnte sich Max Conze vielleicht verzettelt haben. Er will Joyn zum Hulu von Deutschland machen, zu einer Plattform, die Fernsehen und Streaming verbindet. Zu dieser Strategie würde es auch passen, dass sich „Check Check“ und andere Joyn-Serien wie jene Comedyformate anfühlen, die wir seit Jahrzehnten bei Prosieben oder Sat.1 zu sehen bekommen haben. Aber vielleicht will der Zuschauer, der sich auf Streaming-Plattformen herumtreibt, auch etwas Anderes, um nicht zu sagen etwas Anspruchsvolleres. Vielleicht ist er dann bereit, sich ein Premiumabo zu holen, wenn er Premium-Inhalte präsentiert bekommt. Serien und Gesichter, die er so derzeit nicht im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt. Also nicht Klaas Heufer-Umlauf.

Auch für diesen Fall hat Prosiebensat.1 vorgesorgt: Auf der Messe Mipcom in Cannes wurde kürzlich die deutsch-chilenische Koproduktion „Dignity“ vorgestellt. Das Joyn-Original soll die Geschichte der deutschen Sekte Colonia Dignidad nacherzählen. Die Serie wird ausschließlich für bezahlende Abonnenten auf Joyn abrufbar sein. Dann wird sich zeigen, ob Joyn wirklich in Konkurrenz zu Netflix und Amazon treten kann.

Disclaimer: Die Autorin war bis 2015 für Prosiebensat.1 Media SE tätig.

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