Schnäppchen voraus: Black Friday befeuert Trend, der 2020 zu einer lange undenkbaren Änderung führen könnte

Frau Shopping

  • Bislang galt im Einzelhandel: Den Dezember schlägt umsatzmäßig kein anderer Monat.
  • Dann wurden Shoppingtage rund um den Black Friday immer beliebter. Ein Handelsexperte sagt Business Insider: 2020 dürfte der November umsatzmäßig für den stationären Einzelhandel wichtiger sein als der Dezember.
  • Das ist aber nicht die einzige Veränderung, auf die sich der Einzelhandel einstellen muss.
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Bislang galt im deutschen Einzelhandel: Der wichtigste Monat ist der Dezember. Schließlich fällt Weihnachten in diesen Monat. Für das christliche Fest brauchen die Deutschen Geschenke, viele Geschenke. Sie müssen also in der Regel fleißig einkaufen und das tun sie vorwiegend in den Dezemberwochen zuvor. Da brummt das Geschäft. Noch mehr Faktoren kommen hinzu, warum der Einzelhandel im Dezember besonders viel zu tun hat. Viele Arbeitnehmer erhalten Ende November Weihnachtsgeld oder Bonuszahlungen. Sie haben somit im Dezember mehr Geld zum Konsumieren. 

Jetzt aber steht der Dezember als wichtigster Monat für den Einzelhandel immer mehr auf der Kippe. Das hat viel mit Shoppingtagen zu tun, die vor allem in den USA beliebt sind, aber immer mehr auch nach Europa herüberschwappen. Gemeint sind die Tage vom Black Friday nach dem US-Feiertag Thanksgiving bis zum Cyber Monday, die in der Regel alle im November liegen. Auch der deutsche Einzelhandel hat diese Tage für sich entdeckt und lockt mit Rabatten und Schnäppchen. Offenbar mit großem Erfolg.

Amazon und Walmart steigern Black-Friday-Umsatz deutlich

„Nach unserer heutigen Prognose wird der stationäre Einzelhandel in Deutschland 2020 im November erstmals einen höheren Umsatz erzielen als im Dezember“, sagt Stefan Salzer von der Boston Consulting Group (BCG) Business Insider. „Online hat der November den Dezember beim Umsatz bereits überholt.“ Das wäre bemerkenswert. Denn eine solche Änderung schien lange undenkbar. Es wäre aber auch logisch. Kaufen die Deutschen schon im November ihre Weihnachtsgeschenke und dann zu Schnäppchenpreisen, müssen sie im Dezember nicht mehr losziehen.

Wie gut die Tage um den Black Friday inzwischen ankommen, zeigen nicht nur die USA: Dort sollen Amazon und Walmart ihre Online-Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gesteigert haben. Insgesamt sind die Erlöse mit Online-Einkäufen am Black Friday auf rund 7,4 Milliarden US-Dollar gestiegen — ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2018, wie eine Analyse des Software- und Cloud-Unternehmens Adobe zeigt. Damit entsprachen die Erlöse fast punktgenau den Erwartungen des Konzerns.

Black-Friday-Rabatte: Amazon und Co. haben Vorteile

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE), Spitzenorganisation des Einzelhandels hierzulande, zieht angesichts des Geschäftsverlaufs in der Woche vor dem ersten Advent eine positive Zwischenbilanz. „Das war ein zufriedenstellender Auftakt in die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts 2019“, wird Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer, in einer Verbandsmitteilung zitiert. „Insbesondere am Samstag und am Black Friday machten sich viele Verbraucher auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken.“

Salzer überrascht der Aufwärtstrend an Rabatt- und Aktionstagen wie jenen rund um den Black Friday nicht. „Die Verbraucher sind mittlerweile dahingehend trainiert, die gewünschten Artikel im Angebot zu kaufen“, erklärt er. „Dabei ist es egal, ob es um Elektronik oder auch Lebensmittel geht — die Konsumenten suchen Schnäppchen und finden sie in der Regel auch.“

Was bei Kunden gut ankommt, ist aber für den Handel nicht immer gut. „Für Händler sind Rabattaktionen ein gewisser Balanceakt“, sagt Salzer. „Es geht darum die richtigen Artikel zur richtigen Zeit mit dem richtigen Preisnachlass anzubieten, was nicht allen Firmen gelingt und mitunter die Marge der Anbieter belasten kann.“ Besonders kleinere Händler müssten ihre Grenzen kennen und genau nachvollziehen, ob eine Rabattaktion für sie erfolgreich war oder nur zulasten der Marge ging, sagt der Handelsexperte.

Big Data wird Einzelhandel deutlich verändern

Das gelte zwar auch für große Anbieter, allerdings hätten Amazon und Co. wesentliche Vorteile. „Große Händler haben den Vorteil, über ihre große Produktpalette höhere Preisnachlässe bei dem einen Artikel mit einer höheren Marge bei einem anderen wieder auszugleichen“, sagt Salzer. „Zudem haben sie mehr Daten zur Verfügung, um das Einkaufsverhalten ihrer Kunden zu analysieren und bessere Einkaufspreise wegen der größeren Abnahmemenge [festzulegen].“

Stichwort Daten. Die dürften auch für den deutschen Einzelhandel immer wichtiger werden. „Für Händler wird es immer wichtiger, den Kunden so gut wie möglich zu verstehen und das Marketing noch weiter zu personalisieren“, analysiert Stefan Salzer. Online kennen Verbraucher diese Schritte bereits durch personalisierte Werbung. Stationär verlaufen werden die Maßnahmen via personalisierte Coupons oder Kundenkarten-Rabatte ablaufen.

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Dieser Weg könnte für den Einzelhandel dann mehr Erfolg bringen als regelmäßige Rabatt-Tage wie Black Friday oder Cyber Monday. Dank „Big Data“ wird die Lernkurve der Händler laut Experte Salzer deutlich nach oben gehen. „Verbraucher werden merken, dass die Rabatte und beworbenen Artikel künftig noch besser zu ihren Interessen passen und die Angebote für sie noch attraktiver werden.“

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