„Wir brauchen Verpflichtungen”: Was beim Klimagipfel in Madrid ab jetzt alles auf dem Spiel steht

Klimakonferenz Madrid Protest

  • Von Montag, dem 9. Dezember, an verhandeln beim Weltklimagipfel in Madrid die Minister der einzelnen Staaten. Auch Bundeumweltministerin Svenja Schulze wird dort sein. Der Gipfel geht also in die entscheidende Phase.
  • Ob am Ende tatsächlich konkrete Pläne für den Kampf gegen die Erderwärmung vorliegen werden, ist allerdings unklar — denn die müssten, dem Pariser Klimaabkommen zufolge, erst 2020 vorgestellt werden.
  • Unterdessen häufen sich die Proteste: Nachdem in Madrid am Freitag Tausende beim Klimamarsch mitmachten, protestierten am Wochenende auch Bewegungen wie Extinction Rebellion und Guppen indigener Lateinamerikaner.
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Begleitet von Protestaktionen und Appellen zahlreicher Umweltschützer aus allen Erdteilen geht der Weltklimagipfel in Madrid in die entscheidende Phase. Von Montag an verhandeln dort die Minister der einzelnen Länder — dann wird sich zeigen, ob die Staaten auf die Warnungen von Wissenschaftlern und Aktivisten reagieren und ehrgeizigere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung formulieren. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) reist zu dem Klimagipfel (COP25) an.

Die Politiker wollen vor allem über ambitioniertere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung beraten. Allerdings müssen die dem Pariser Klimaabkommen zufolge eigentlich erst bei der COP26 im nächsten Jahr vorgestellt werden. Ob schon jetzt konkrete Pläne vorgelegt werden, ist deswegen sehr fraglich. Der Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen, Tijjani Muhammad-Bande, werde die Teilnehmer zum Auftakt der Verhandlungsrunde am Montag noch einmal eindringlich zur Umsetzung des Pariser Klimavertrages aufrufen, teilten die UN mit.

Beim Klimamarsch in Madrid waren Greta Thunberg und Javier Bardem dabei

Auch der Handel mit Emissionen und die Unterstützung für vom Klimawandel besonders hart getroffene Staaten stehen auf der Agenda. Speziell arme Länder, die am wenigsten zur Krise beitragen, leiden unter den Folgen von Dürren und Wetterkatastrophen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte am Samstag bei einem Besuch bei der Afrikanischen Union in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, beim Thema Klimaschutz habe gerade Afrika ganz eigene Erfahrungen — mit wachsenden Wüsten, häufigeren Überschwemmungen und heftigeren Stürmen.

Am Freitagabend hatten Zehntausende Demonstranten aus aller Welt bei einem großen Klimamarsch in Madrid gemeinsam mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und dem spanischen Filmstar Javier Bardem ein rasches Handeln verlangt. Bardem betonte bei der Abschlusskundgebung: „Die Entscheidungen, die in diesen Tagen getroffen werden, werden die Zukunft aller und auch die Eurer Söhne, Töchter und Enkelkinder und die des gesamten Planeten betreffen. Wir brauchen Verpflichtungen!“

Auch Thunberg appellierte in Madrid mehrmals an die Politiker, konkrete Ziele vorzulegen. Am Samstag twitterte sie zu der Großdemonstration: „Die Welt wacht langsam auf, was die Klima- und Umweltkrise betrifft, und bald kommen die Mächtigen nicht mehr damit durch, die Wissenschaft zu ignorieren.“

Extinction Rebellion, südamerikanische Indigene — Proteste häufen sich weltweit

Aktivisten der Bewegung Extinction Rebellion setzten am Wochenende ihre Proteste gegen die Textilindustrie fort, die als einer der größten Umweltsünder gilt. Nachdem Mitglieder der Gruppe vor wenigen Tagen bereits im Schaufenster eines bekannten Bekleidungsgeschäftes in Madrid protestiert hatten, gingen sie am Wochenende auf der berühmten Einkaufsmeile Gran Vía auf die Straße.

Am Sonntag protestierten Dutzende Indigene aus Brasilien zusammen mit der Klimaschutzbewegung 350.org vor dem Hauptsitz des spanischen Ölkonzerns Repsol, um auf eine massive Ölpest aufmerksam zu machen, die seit Monaten Tausende Kilometer Küste in dem südamerikanischen Land verseucht. Umweltschützer werfen dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro vor, viel zu lange untätig gewesen zu sein und kaum Mittel für die Bekämpfung der Ölpest zur Verfügung gestellt zu haben. Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette. 

Überhaupt stehen viele Aktionen im Zeichen der Probleme indigener Völker aus Lateinamerika, die ganz massiv von der Umweltzerstörung betroffen sind. Die zweiwöchige Weltklimakonferenz sollte eigentlich in Santiago de Chile stattfinden. Wegen der dortigen Unruhen wurde sie aber kurzfristig nach Madrid verlegt.

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Von der Leyen hatte zum Auftakt des zweiwöchigen Gipfels am vergangenen Montag einen «European Green Deal» angekündigt. Ziel sei es, Emissionen zu senken, Jobs zu schaffen und die Lebensqualität zu erhöhen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, in der Europäischen Union müssten nun alle an einem Strang ziehen, wenn der Kontinent im Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen solle. Deutschland wolle dazu beitragen, dass Europa der erste klimaneutrale Kontinent werde, sagte die CDU-Politikerin in ihrem wöchentlichen Podcast.

Doch seien wir realistisch: Die Hiobsbotschaften zur Lage des Planeten reißen nicht ab. Der sinkende Sauerstoffgehalt in den Ozeanen werde zu einer wachsenden Bedrohung für die Fischbestände, hieß es in einem neuen Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN), der am Samstag in Madrid vorgestellt wurde. Betroffen seien etwa 700 Meeresregionen in aller Welt. Der Sauerstoffverlust werde nicht nur durch die Klimaerwärmung, sondern auch durch die Verschmutzung der Gewässer und ein daraus resultierendes Algenwachstum ausgelöst, warnten die Experten.

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