Die Gasumstellung könnte Eigentümer von Immobilien Tausende Euro kosten — 6 Bundesländer sind betroffen

Auch Immobilienbesitzer in Düsseldorf sind mitunter von der Gasumstellung betroffen.

  • In sechs Bundesländern wird künftig von L-Gas auf H-Gas umgestellt.
  • H-Gas kommt vor allem aus Russland und Norwegen und hat andere Eigenschaften als das bisher übliche L-Gas.
  • An vielen Gasthermen müssen Eigentümer von Immobilien daher Anpassungen vornehmen oder Geräte sogar komplett tauschen.
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Dass fossile Brennstoffe nicht unbegrenzt verfügbar sind, wissen die meisten Menschen spätestens seitdem es die Fridays-for-Future-Bewegung gibt. Doch wirklich spüren mussten die meisten diese Endlichkeit von Vorräten bisher nicht.

Bis jetzt. Denn im Bereich Gas läuft derzeit eines der größten Infrastrukturprojekte, die Deutschland je erlebt hat. Der Grund dafür: Mehr als ein Viertel des in Deutschland verbrauchten Erdgases ist zur Zeit niederkalorisches und somit qualitativ minderwertiges L-Gas. 

Und genau diese Sorte ist bald nicht mehr in den nötigen Mengen verfügbar, weil der Import von holländischem L-Gas ausläuft und die einheimische Produktion rückläufig ist. Schon in absehbarer Zeit reicht der Vorrat für die bestehende Nachfrage also nicht mehr aus. Und langfristig soll das L-Gas nahezu vollständig vom deutschen Markt verschwinden.

Aufwändige Umrüstung nötig

Die Folge dieser Entwicklung: Fachleute müssen neben der ohnehin aufwändigen Leitungsumrüstung bundesweit auch bis zu sechs Millionen Endgeräte in Verbraucherhaushalten umstellen. Das neue Produkt, für das die Anlagen fit gemacht werden müssen, heißt jetzt  H-Gas und kommt vor allem aus Russland, Norwegen und Großbritannien. Es ist, im Gegensatz zum L-Gas, hochkalorisch, hat also einen höheren Brennwert, und es ist jetzt schon weit verbreitet. Auf lange Sicht will man durch die Umstellung außerdem eine höhere Versorgungssicherheit sicherstellen, sagen Energieexperten.

Fakt ist allerdings: Die meisten Gasnetze und -geräte sind heute nur auf eine Art von Erdgas ausgelegt, in ihrer Betriebsart also eingeschränkt. Und eben deswegen wird seit 2015 schon eifrig umgerüstet. „Bis 2030 wird das gesamte deutsche Erdgasnetz schrittweise von L-Gas auf H-Gas umgestellt“, sagt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur, die die Umstellung beaufsichtigt, zu Business Insider.

Sechs Bundesländer sind betroffen

Zurzeit und in den kommenden Jahren checken Fachleute jährlich also rund 500.000 Endgeräte, darunter Gasthermen, Heizkessel und gasbetriebene Herde von Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben. Die Umstellung betrifft die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Aber auf was muss man sich als einzelner Haushalt jetzt einstellen? Das ist nicht ganz so kompliziert und aufwändig, wie man meinen sollte. Und, wie in Deutschland üblich, läuft es relativ geregelt ab und mit ziemlich langen Vorlaufzeiten.

Zunächst einmal informiert der zuständige sogenannte Fernleitungsnetzbetreiber den lokalen Netzbetreiber, in Köln also zum Beispiel die Rheinische Netzgesellschaft, über die anstehende Umstellung von L-Gas auf H-Gas. „Mit ungefähr drei Jahren Vorlauf“, ergänzt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur. Dieser Umstellungszeitplan sei im sogenannten Netzentwicklungsplan Gas festgelegt. 

Ungefähr zwei Jahre vor der Umstellung von L- Gas auf H-Gas informiert der örtliche Netzbetreiber dann Betroffene über den geplanten Umstellungstermin. Die letztendliche Bestandsaufnahme der noch mit L-Gas betriebenen Geräte erfolge dann in der Regel ungefähr ein Jahr vor Beginn der tatsächlichen Gas-Umstellung, sagt der Experte. Hierfür kommen Mitarbeiter des Netzbetreibers oder eines beauftragten Dienstleisters in alle Haushalte, die noch alte Geräte mit L-Gas betreiben, und registrieren diese. Im Einzelfall könne es sein, dass bei einem zweiten Termin die Bestandsaufnahme durch ein vom Netzbetreiber beauftragtes Unternehmen überprüft werde.

So viel kostet der Austausch

Sollte ein Gasgerät „nicht anpassungsfähig“ sein, wie Experten das nennen, teilt das überprüfende Unternehmen das den Betroffenen mit. Wohnungs- oder Hauseigentümer müssen in einem solchen Fall den Austausch des Gasgeräts selbst veranlassen und den Gerätetausch bei einem Installateur ihrer Wahl beauftragen. 

Abgesehen von einem nötigen Austausch raten Experten dazu, im Zuge der Umstellung des Gastyps grundsätzlich darüber nachzudenken, alte und ineffiziente Heizkessel durch neue, effizient arbeitende Brennwertkessel zu ersetzen.

Mieter sollten dafür sorgen, dass der Vermieter den Austausch des Geräts übernimmt. Für die Installation von bestimmten Neu-Geräten kann ein Zuschuss von bis zu 100 Euro beim Netzbetreiber beantragt werden, heißt es von der Bundesnetzagentur. Für Heizanlagen können es bis zu 500 Euro sein.

Ein Komplettaustausch dürfte, je nach Anlage, allerdings Tausende Euro kosten, da wirken 100 Euro wie Almosen. Wie häufig ein solcher allerdings überhaupt nötig ist, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen. Über diese könnte allenfalls der lokale Schornsteinfeger verfügen, heißt es. Ein Stadtwerke-Mitarbeiter, den Business Insider kontaktiert, geht von einer niedrigen einstelligen Prozentzahl aus. Oftmals gehe bei der „Anpassung“ von Geräten schließlich nur um den Austausch einer Düse und solche Ersatzteile seien in der Regel gut verfügbar, sollte die Heizung nicht älter als 15 Jahre oder der Hersteller inzwischen pleite gegangen sein.

„In der Regel“, wie Michael Reifenberg sagt, finde etwa ein Jahr nach der Bestandsaufnahme diese Anpassung der Gasgeräte statt. Wichtig dabei ist: Kosten für Arbeitsstunden oder Material während der Umstellung darf die ausführende Firma dem Endverbraucher nicht in Rechnung stellen. Für die Erfassung und Umrüstung der Geräte kommt also zunächst der Netzbetreiber auf. 

Am Ende zahlen alle für die Umstellung

Die Kosten der gesamten Marktraumumstellung werden allerdings über die sogenannte Marktraum-Umstellungsumlage solidarisiert, also auf alle Gaskunden verteilt. Die anfallenden Beträge werden schon seit 2017 bundesweit umgelegt und zusätzlich zum Netzentgelt erhoben.

Achtung: Nicht umgerüstete Gasgeräte darf man aus Sicherheitsgründen nach der Umstellung des Netzes nicht weiterbetreiben. In jedem zehnten Haushalt werde stichprobenartig nach der Umrüstung der Gasgeräte eine Qualitätskontrolle durchgeführt, sagt Michael Reifenberg.

Und weil es immer wieder Rückfragen vonseiten besorgter Verbraucher gibt, ergänzt er: „Für alle Termine gilt: Es findet immer vorher eine zeitliche Absprache statt.“

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