Vorwurf: Tesla hat eine sicherere Technologie für seine E-Autos abgelehnt, um Kosten zu sparen

Tesla Model 3

Nachdem es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Unfällen kam, arbeitet der Autobauer Tesla nun offenbar zusammen mit Zulieferern daran, sein Fahrassistenzsystem, den Autopiloten, sicherer zu machen.

Zuletzt kam ein 48-jähriger Deutscher in der Schweiz ums Leben, nachdem er die Kontrolle über sein E-Auto verloren hatte und in die Mittelleitplanke geknallt war. Der Wagen hatte sich überschlagen und Feuer gefangen. Auch in Florida starben vor kurzem zwei Menschen bei einem Unfall mit einem Elektroauto von Tesla. Dieses war mit hohem Tempo gegen eine Wand gefahren. 

Die US-Behörde für Transportsicherheit NTSB untersuchte diesen und weitere Unfälle mit Tesla-Fahrzeugen und äußerte bereits im vergangenen Jahr Kritik an der Software der E-Autos, in ihr gebe es zu wenig Sicherheitsvorkehrungen. Inzwischen müssen Tesla-Fahrer auch bei eingeschaltetem Autopilot immer eine Hand am Lenkrad lassen, um im Notfall in das Geschehen eingreifen zu können. Dieses System wird jedoch immer häufiger ausgetrickst, zum Beispiel indem Fahrer eine Orange unter das Lenkrad klemmen. 

Tesla lehnte Eyetracking-Software ab

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, war bei Tesla auch schon darüber nachgedacht worden, Eyetracking-Software in die E-Autos einzubauen, um sicherzustellen, dass Fahrer den Blick nicht zu lange von der Straße abwenden. Ein solches Modell findet beispielsweise beim Konkurrenten General Motors bereits Anwendung.

Dafür wäre der Einbau von Kameras und Infrarot-Sensoren im Fahrzeuginneren notwendig — Tesla-Führungskräfte und Gründer Elon Musk sollen angeblich jedoch die hohen Kosten und die Effektivität dieser Maßnahme in Frage gestellt haben. Zudem glaubten sie, dass übersensible Sensoren zu oft Warnsignale abgeben und die Fahrer nerven würden und sie machten sich darüber Sorgen, ob die Software die Köpfe von Fahrern mit unterschiedlichen Körpergrößen zuverlässig erkennen würde. Die Idee sei aus diesen Gründen letztendlich verworfen worden.

Inzwischen hat sich Elon Musk über Twitter zu dem „Wall Street Journal“-Artikel geäußert und erklärt, das Eyetracking-Modell sei nicht aufgrund der zu hohen Kosten, sondern der Ineffizienz abgelehnt worden. Die E-Autos von Tesla seien vier Mal sicherer als der Durchschnitt, schrieb er weiter.

Um seine Behauptung zu unterstreichen, zitierte er in einem weiteren Tweet eine Statistik der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), laut der im Jahr 2017 im Durschnitt alle 86 Millionen Meilen ein Mensch bei einem Autounfall ums Leben kam. Bei Tesla liege der Wert bei einem Todesfall alle 320 Millionen Meilen. Auch versprach er, in Zukunft für jedes Quartal die Sicherheitszahlen vorzulegen.

Als in Utah vor wenigen Tagen ein weiterer Tesla offenbar ungebremst mit fast 100 Kilometern pro Stunde in ein Feuerwehrauto, das an einer roten Ampel wartete, raste, ärgerte sich Musk ebenfalls auf Twitter darüber, dass über Tesla-Unfälle angeblich sehr viel häufiger in den Medien berichtet werde als über die anderer Hersteller. Die Fahrerin hatte offenbar Glück und hat sich bei dem Unfall nur den Fuß gebrochen.

Laut „The Verge“ erklärte Musk Anfang Mai in einem Anruf mit Analysten, bei den Unfällen liege das Problem fast nie beim Autopiloten, sondern beim Fahrer. „Wenn es ein schwerer Unfall ist, ist es fast immer der Fall, dass es sich um einen erfahrenen Nutzer handelt“, sagte er. „Und das Problem ist mehr eins der Nachlässigkeit. Sie gewöhnen sich zu sehr daran. Das ist viel eher das Problem. Es ist nicht das mangelnde Verständnis, was der Autopilot tun kann. Es sind Fahrer, die denken, sie wüssten mehr über den Autopilot, als sie es tun“.

Lest auch: „Es gibt ein dringendes Problem beim E-Auto, das weder mit den Fahrzeugen noch mit dem Aufladen zu tun hat

Der Autopilot gebe den Fahrern ein falsches Gefühl von Sicherheit, sagten auch Experten gegenüber dem „WSJ“. Sie achten nicht mehr auf die Straße und wenden ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen zu.

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