Elitenforscher warnt vor einem gefährlichen Riss, der durch Deutschland geht

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Der Elitenforscher und Soziologe Michael Hartmann warnt davor, dass sich die Eliten des Landes immer weiter vom Rest der Bevölkerung entfernen. „Die Eliten in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, haben kaum noch eine Vorstellung vom Leben der breiten Bevölkerung“, sagte der emeritierte Professor der Wochenzeitung „Zeit“. „Sie leben in einer völlig anderen Welt: Viele wohnen in sozial homogenen Wohnvierteln. Sie haben einen anderen Alltag, andere Hobbys, andere Möglichkeiten.“

Als Elite definiert Hartmann Personen, die ihr vieles Geld dazu nutzen, Einfluss zu nehmen. Streitbar sei allerdings, wie mächtig man sein muss, um zur Elite dazuzugehören. Je nachdem wie man den Zirkel versteht, umfasse die Elite in Deutschland im Kern etwa 1000 und breiter gefasst bis zu 4000 Personen.

Elitenforscher: Spaltung durch hohe Immobilienpreise

Die wirtschaftliche Elite sei schon immer etwas entfernter von den normalen Bürgern gewesen, so Hartmann gegenüber der „Zeit“. „Zunehmend sieht man es aber auch in der wissenschaftlichen, der medialen und der politischen Elite. Die haben sich in den letzten zwei, drei Jahrzehnten weiter von der Masse entfernt.“

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Der Soziologe macht dafür mehrere Faktoren fest. Die Spaltung durch die hohen Immobilienpreise, die dazu führt, dass die Menschen mit unterschiedlichem Einkommen heute viel getrennter leben. Hinzu komme, dass es vielen Menschen gar nicht möglich ist, sich an der Vermögensbildung der oberen Schichten zu beteiligen: über Aktien und Fonds. Darauf wies Hartmann bereits im Juni im Gespräch mit Business Insider hin. Vor allem die Finanzkrise habe weiter dazu beigetragen: „In der Folge hat sich etwas verschärft, das es vorher schon gab — nämlich die Möglichkeit, Vermögen zu bilden durch verschiedene Anlageklassen.“

Sozialer Aufstieg auch in Parteien immer schwieriger

Das geht auch aus einer aktuellen Studie der Bank Comdirect hervor. Demnach gibt es eine recht hohe Überschneidung zwischen Jahresnettovermögen und dem Anlegerverhalten in Deutschland. Der Armutsvorscher Christoph Butterwegge von der Universität Köln bezeichnete dies jüngst im Gespräch mit Business Insider als einen Faktor für „sozialräumliche Segregation“. Heißt vereinfacht: Die Reichen — darunter die Elite — bleiben unter sich, die Armen ebenso.

Hartmann setzt aber noch früher an: beim Elternhaus. „Das größte Problem ist, wie die Eliten heute rekrutiert werden (…). Heute ist es beinahe unmöglich, von unten in die obersten Positionen aufzusteigen“, so der Elitenforscher gegenüber der „Zeit“. Das zeige sich im Übrigen auch im Bundestag: Heute hätten mit Peter Altmaier und Horst Seehofer nur noch zwei Personen im Kabinett einen Arbeiterhintergrund. „Der soziale Aufstieg ist in den Parteien schwieriger geworden. Ohne ein Studium läuft nicht mehr viel“, so Hartmann. Der Soziologe verlangt deshalb, dass sich die Parteien wieder öffnen. „Auch in ihren Top-Positionen.“

mgs

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