Hinter der Erfindung von Gmail und Post-its steckt eine Erfolgsstrategie, die immer mehr Millennials nutzen

Simone Bächler, Kickstart Accelerator

Die Welt verändert sich rasant. Schritt zu halten, ist angesichts der schnellen, durch die Digitalisierung ausgelösten Entwicklungen kein leichtes Unterfangen. Über alle Branchen hinweg sind Unternehmen mit den Auswirkungen des digitalen Wandels konfrontiert.

Um den Anschluss nicht zu verlieren, sind fortwährend innovative Ideen gefragt. Das Thema Innovation und Digitalisierung steht bei führenden Unternehmen und Organisationen ganz oben auf der Prioritätenliste — und ist gleichzeitig deren größte Herausforderung.

Gerade großen, multinationalen Unternehmen fehlt es aufgrund komplexer Organisationsstrukturen und langer Kommunikationswege häufig an Geschwindigkeit oder Flexibilität, wenn es um die Umsetzung innovativer Projekte geht.

Sie suchen deshalb traditionellerweise ausserhalb der Organisation nach Wegen, um Innovation möglich zu machen; und arbeiten zum Beispiel mit kreativen, agilen Start-ups zusammen. Immer öfter setzen sie aber auch auf „Unternehmer im eigenen Unternehmen“, sogenannte Intrapreneure.

Wer hat’s erfunden? Die Intrapreneure!

Geprägt wurde der Begriff Intrapreneurship in den 1980er Jahren vom US-Unternehmer Gifford Pinchot. „Intrapreneurship“ ist zusammengesetzt aus „intracorporate“, also unternehmensintern, und „entrepreneurship“ für Unternehmertum. Pinchot bezeichnete Intrapreneure als „dreamers who do“, Mitarbeiter eines großen Unternehmens mit ausserordentlicher Kreativität, mutigen Ideen und unternehmerischem Talent, die autonom und engagiert an eigenen Projekten arbeiten.

Es geht um einen Bottom-Up-Ansatz, um intern Innovation zu ermöglichen. Gleich mehrere erfolgreiche Erfindungen stammen aus der Feder solcher Visionäre: Der allzeit bereite und allgegenwärtige Post-It-Zettel etwa entstand in einem frühen Intrapreneurship-Projekt: Wissenschaftler von 3M kamen vor über 40 Jahren mehr aus Zufall auf die Idee der praktischen Klebezettel.

Auch Gmail war ursprünglich die Idee von „Unternehmern im Unternehmen“. Sowohl Google als auch 3M — und immer mehr weitere Unternehmen — geben ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, einen Teil ihrer Stellenprozente in eigene, innovative Projekte zu investieren.

Großunternehmen setzen auf Intrapreneurship

Für Großunternehmen und Organisationen nimmt der Druck, innovativ zu sein, den veränderten Marktbedürfnissen zu begegnen und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, spürbar zu. Damit rückt auch das Thema Intrapreneurship auf die Agenda. Dessen Umsetzung ist aber nicht ganz einfach.

Für viele „Unternehmer im Unternehmen“ ist es eine Herausforderung, neben den täglichen Aufgaben und Verpflichtungen genügend Kapazität für das eigene Projekt aufzubringen. Firmen müssen Intrapreneurship deshalb aktiv fördern und die Voraussetzungen dafür schaffen: Sie müssen ihre Mitarbeitenden motivieren, eigene Ideen umzusetzen; sie müssen ihnen die zeitlichen und monetären Ressourcen für ihre Projekte zur Verfügung stellen, ihnen Autonomie und Eigenverantwortung zugestehen.

Traumfabrik für junge Arbeitnehmer

Aktiv in Intrapreneurship zu investieren, kann sich für Unternehmen gleich doppelt auszahlen. Neben der Förderung von Innovation im eigenen Unternehmen gewinnen sie vielfach auch an Attraktivität als Arbeitgeber. Gerade junge Arbeitnehmer suchen Flexibilität, Kreativität und Sinn in ihrer Arbeit. Diese Werte meinen viele aber in den klassischen Großunternehmen nicht zu finden; zu diesem Schluss kam unter anderem die Deloitte Millennial Survey.

Demnach würden 70 Prozent der um die Jahrtausendwende geborenen Menschen aus eben diesen Gründen die Selbständigkeit einer Stelle in einer traditionellen Firma vorziehen. Indem Unternehmen auf Autonomie, Flexibilität und Zeit für eigene, kreative Projekte setzen, können sie gerade jungen Arbeitnehmern die Aussicht auf eine Stelle in der persönlichen Traumfabrik bieten. Und sich selber die Chance, die Brutstätte für das nächste „Post-It“ zu werden.

Zur Person: Simone Bächler arbeitet und textet für das Schweizer Innovationsförderprogramm Kickstart Accelerator

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