Profitieren Hornbach Baumarkt und Villeroy & Boch wirklich (noch) vom Bauboom?

Die Immobilienpreise klettern. Die Grundstückspreise klettern. Die Preise der Bauunternehmen klettern. Der Immobilienboom scheint kein Ende zu nehmen, jedenfalls in den Ballungszentren. Auf dem Land sieht das ganz anders aus. Und auch in den Metropolen gibt es – neben steigenden Mieten – eine Kehrseite: Verzögerungen. Nicht nur die kommunalen Auftraggeber mit ihren Schulanbauten, sondern auch immer öfter private Bauträger können ihre Projekte nicht mehr fristgerecht fertigstellen. Zu oft finden sie keine Handwerksbetriebe mehr oder wenn, dann nur zu horrenden Ausschreibungsergebnissen (bei den Kommunen). Wer diese hohen Priese nicht akzeptiert, bleibt auf seiner Planung oder seiner unfertigen Baustelle sitzen. Das kann sich natürlich kaum jemand leisten und so werden oft die (viel zu) hohen Preise zähneknirschend akzeptiert. Zu Lasten der ohnehin schrumpfenden Rendite.

Ein Schlaraffenland-Szenario für die Baubranche könnte man meinen. Doch nicht alle Anbieter profitieren wirklich. Auch bei Villeroy & Boch (WKN: 765723 / ISIN: DE0007657231) und Hornbach Baumarkt (WKN: 608440 / ISIN: DE0006084403) sollten Anleger vielleicht lieber zweimal hinsehen…

Hornbach Baumarkt
Wir haben seit Jahren eine boomende Baukonjunktur und die Baumärkte haben zusätzlich von der Pleite von Praktiker profitiert. Trotz dieser „besten aller Welten“ sind die Ergebnisse allenfalls durchwachsen. Wenn sich Projekte immer häufiger verzögern, leiden die Baustoffmärkte. Und es ist ja beileibe nicht so, dass dieses durch eine deutlich erhöhte Nachfrage von Privatleuten mit ihren Renovierungsarbeiten ausgeglichen werden könnte.

Hornbach macht gerade Werbung mit einer „Dauertiefpreisgarantie“ und zwar auf alle Produkte. Klingt gefährlich nach Praktiker mit dem „20 Prozent auf alles. Außer auf Tiernahrung“, womit man selbst den Kurs in die Pleite gewählt hatte. So witzig und einfallsreich die Werbung auch sein mag (nicht nur die von Hornbach, auch von den Wettbewerbern), man muss sich doch die Frage stellen, wo das Alleinstellungsmerkmal ist. Warum sollte ich gerade zu Hornbach gehen? Und nicht zu Obi? Oder Toom? Oder zu Lüchau (mal etwas Lokalkolorit reinbringen hier!)? Meistens entscheidet doch vor allem, welcher Baumarkt sich gerade in der Nähe befindet, und nicht, welcher besonders angesagt ist. Die Produkte sind eh allesamt austauschbar und fast alles ist fast überall zu bekommen. Das macht es für die gesamte Branche schwierig und die (teuflische) Verlockung, sich über den Preis durchzusetzen, scheint unwiderstehlich. Perspektivisch schrumpfende Margen sind nicht gerade Anlegers Liebslingsszenario; jedenfalls nicht, wenn diese nicht mit massiven Umsatzausweitungen einhergehen.

Auch der Trend zur Digitalisierung ist spürbar und negativ. Hornbach versucht mit hohen Millioneninvestitionen gegenzusteuern. Müssen sie auch. Aber… je stärker sich die Kunden daran gewöhnen, ihre Baumarktprodukte im Internet einzukaufen, desto attraktiver wird diese Sparte auch für alle anderen Onlinehändler, ob Zalando, Otto oder… Amazon. Wie geil ist das denn, wenn man der führende Online-Baumarkt geworden ist, aber dafür Amazon in den Markt eintritt?

Noch ist die Nachfrage auf einem überdurchschnittlichen Niveau, dank der starken Baukonjunktur. Doch die Ergebnisse sind allenfalls durchwachsen. Wie soll das erst werden, wenn die Super-Baukonjunktur nicht mehr die Ergebnisse hochpäppelt? Dann könnte der ohnehin starke Wettbewerb in der Branche ganz schnell zu einem ruinösen Verdrängungswettbewerb werden. Da bleiben am Ende nur zwei oder drei Große übrig – wie in den USA. Aber ob der Weg dorthin von attraktiven Übernahmeprämien gepflastert sein wird, oder doch von vorher zusammenbrechenden Aktienkursen aufgrund zusammenschrumpfender Margen, das kann ich nicht absehen.

Meine Einschätzung
Ich stufe die Branche als „könnte gutgehen“ ein. Das ist mir aber zu wenig für ein langfristiges Engagement. Trotz der von mir seit drei Jahren mit eingedachten latenten Übernahmephantasie durch die Mutter Hornbach Holding. Übernahmephantasie reicht alleine auch nicht aus – diese Option hätte die Holding seit der Rechtsformänderung nun anderthalb Jahre lang gehabt. Es bleibt also eine (unfruchtbare?) Spekulation. Und in Summe für mich nicht mehr attraktiv genug. Und meine Kritikpunkte betreffen natürlich in gleicher Form die Holding-Mutter.

Hornbach Baumarkt hat sich als Investment für mich nicht gelohnt; nach 3 Jahren habe ich ein mageres Ergebnis von 8% eingefahren. Geradezu magersüchtig…

Villeroy & Boch Vz.
Als ich Villeroy & Boch im Herbst 2012 gekauft habe, waren die Aussichten und die Bewertung hervorragend. Einstelliges KGV, heute kaum noch vorstellbar. Vieles von meinem ursprünglichen Investmentcase konnte umgesetzt werden und das Management hat sehr gut auf die zwischenzeitlichen Herausforderungen reagiert…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / Pressefoto Villeroy & Boch

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