Forscher haben ein unheimliches Geräusch in der Antarktis aufgenommen — es klingt wie aus einem Horrorfilm

The crew of the  U.S. Coast Guard Cutter Healy, in the midst of their ICESCAPE mission, retrieves supplies for some mid-mission fixes dropped by parachute from a C-130 in the Arctic Ocean in this July 12, 2011 NASA handout photo obtained by Reuters June 11, 2012.  NASA/Kathryn Hansen/Handout via REUTERS/File Photo

Betrachtet man die gewaltigen Eismassen in der Antarktis, verfällt man schnell der Illusion, dass die Kälte alles erstarren lässt. Doch der Schein trügt, denn die Schneemassen befinden sich in ständiger Vibration.

Der Geophysiker und Mathematiker Julien Chaput hat – gemeinsam mit seinem Forscherteam – Bewegungen tief unter der dicken Schneedecke, die auch „Firn“ genannt wird, ausmachen können. In den Jahren 2014 bis 2017 stellte das Team auf dem Ross-Schelfeis tief unter dem Schnee insgesamt 34 seismische Sensoren auf, die Bewegungen in der Erde messen können. Das Schelfeis hat etwa die Größe von Spanien und ist damit die größte schwimmende Eisplatte der Welt. Die Datenanalyse ergab nun, dass das Eis in den Tiefen der Antarktis permanent in Bewegung ist. 

Der „Gesang“ der Antarktis

Anhaltspunkte dafür, was genau für diese Bewegungen verantwortlich ist, geben die Töne, die von den Sensoren aufgenommen wurden. Für das menschliche Gehör sind sie erst wahrnehmbar, wenn sie 1.200-fach beschleunigt werden. Die Geräusche, die daraufhin hörbar werden, klingen ein bisschen wie die Filmmusik eines alten Horrorstreifens. Die Forscher bezeichnen das als „Gesang“ des Eises.

Ausgelöst wird dieser durch Wetterschwankungen. „Es ist, als würde man auf dem Eis konstant in eine Flöte blasen“, erklärt Chaput auf der wissenschaftlichen Webseite „Agu“. Sowohl Schwankungen der Windstärke als auch Änderungen der Lufttemperatur beeinflussen die Schneeschicht und damit auch die aufgenommenen Töne.

„Entweder man ändert die Geschwindigkeit der Schneeschicht, indem man sie gezielt wärmt oder kühlt oder man beeinflusst das Geräusch, indem man Schneedünen auf- oder abbaut“, sagt Chaput. „Das sind im Wesentlichen die beiden Effekte, die wir beobachten können.“

„Die oberste Hautschicht der Antarktis ihr wichtigster Schutz vor den Verwüstungen der Klimaerwärmung“

Im Angesicht der zunehmenden Erderwärmung werden derartige Erkenntnisse immer wichtiger. Immer öfter brechen ganze Eislandschaften in der Antarktis zusammen oder trennen sich ab.

„Genau wie die dicke, mit Fell überzogene Haut eines Wollmammuts, ist die oberste Hautschicht der Antarktis ihr wichtigster Schutz vor den Verwüstungen der Klimaerwärmung“, sagt der Eisforscher Douglas MacAyeal, der Chaputs Forschungsbericht kommentierte.

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„Das Schmelzen des Firns gilt allgemein als einer der bedeutendsten Faktoren, die die Destabilisierung des Schelfeises verursachen können“, sagt Chaput in dem Online-Portal „Gizmodo“. „Und das wiederum beschleunigt den Prozess, bei dem das Eis in die Ozeane hineinfließt.

Die Firndecke der Antarktis ist daher einer der wichtigsten Faktoren, um das Eis zu schützen und jede Information darüber, wie sich der Firn beeinflussen lässt, ist relevant. So können wir wissen, wie sich das Eis verhalten wird, wenn die Temperaturen weiterhin steigen.

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