Lidl steigt in ein Milliardengeschäft ein, das Aldi schon lange zuvor für sich entdeckt hat

Discounter wie Lidl sind laut einer Studie vor allem bei Technikartikeln im Durchschnitt teils deutlich teurer als Konkurrenz-Online-Händler.

Kaffee hat im Einzelhandel eine wichtige Rolle. Allein in diesem Jahr beträgt der Umsatz mit Röst- und Instantkaffee etwa 4,6 Milliarden Euro. Laut Prognose dürfte dieser Betrag im Jahr 2020 die Fünf-Milliarden-Marke überschreiten. Davon werden über 99 Prozent im stationären Handel verkauft. In Deutschland verbraucht jeder Einwohner im Schnitt etwa 5,5 Kilogramm Kaffee.

Wohl auch deshalb will Lidl sein Kaffeegeschäft offenbar weiter verbessern. Nach Informationen der „Lebensmittelzeitung“ (LZ) prüft Lidl derzeit den Aufbau einer eigenen Kaffeerösterei für sein Eigenmarkengeschäft. Über Standort und Umfang des Vorhabens sei noch nichts entschieden. Auf Anfrage der LZ wollte das Unternehmen die Pläne weder bestätigen noch dementieren.

Investition dürfte sich für Lidl schnell rechnen

Aus dem Unternehmensumfeld heißt es, das Vorhaben dürfte Lidl einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Betrachtet man jedoch den Umsatz, den Lidl allein mit Kaffee pro Jahr erwirtschaftet, dürfte sich diese Investition schnell rechnen. Laut LZ beträgt der Kaffeeumsatz bei Lidl rund 400 Millionen Euro pro Jahr – wovon allein 150 Millionen Euro auf Eigenmarken entfallen. Lidls Freude dürfte unterdessen das Leid der Unternehmen sein, die bisher für das Unternehmen rösten. Für Mindes, Westhoff und offenbar auch Melitta könnte das durchaus ertragreiche Lidl-Geschäft damit zum Teil oder sogar komplett wegfallen.

Wie profitabel Lidls Geschäftsmodell sein kann, macht die Discounterkonkurrenz von Aldi vor. Bei Aldi Süd betreibt man bereits seit 1960 eine Rösterei in Mühlheim an der Ruhr und seit 1973 in Ketsch. Zusammen sollen Aldi Nord und Süd laut LZ über 450 Millionen Euro Umsatz mit ihren Kaffee-Eigenmarken.

Dabei wäre der Aufbau eigener Produktionen kein Novum für Lidl. In Übach-Palenberg betreibt das Unternehmen bereits ein Backwaren- und Eiscreme-Werk. Der LZ zufolge liegt es nahe, dass die neue Kaffeerösterei also ebenfalls dort angesiedelt wird.

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