Warum ein neuer Kalter Krieg zwischen dem Westen und China droht

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping beim gemeinsamen Abendessen im November 2017.

Das deutsche Verhältnis zu China wandelt sich: Jahrzehntelang war das Reich der Mitte ein umworbener Handelspartner. Doch die Skepsis gegenüber der chinesischen Wirtschaftspolitik nahm zuletzt immer mehr zu. Sollte sich der Konflikt zwischen den Systemen weiter verschärfen und der Handelsstreit international ausweiten, droht ein neuer Kalter Krieg.

China galt jahrelang als Goldgrube bei deutschen Unternehmen. Konzerne wie Volkswagen, Bosch oder Siemens verdienten mit den Geschäft in Fernost viel Geld. So verkauft Volkswagen mehr als die Hälfte seiner Autos der Marke VW in China.

Doch inzwischen ist die deutsche Industrie ernüchtert. Denn trotz vieler Versprechungen lässt die chinesische Wirtschaftspolitik im eigenen Land immer noch keinen freien Markt zu. Ausländische Investoren müssen viele Bedingungen erfüllen, um Zugang zum chinesischen Markt zu bekommen. Zugleich wird China weiter Diebstahl von technischem Know-How vorgeworfen. Auch die Zunahme chinesischer Direktinvestitionen im Ausland, die von Peking kontrolliert werden, schürt das Misstrauen auf deutscher und europäischer Seite. 

Deutsche Industrie geht auf Distanz zu China

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) findet die deutsche Abhängigkeit von China zu groß. Er will daher seine Strategie im Umgang mit Deutschlands wichtigstem Handelspartner ändern und arbeitet an einem „China-Papier“. Das berichtet das „Handelsblatt“.

Auch die Bundesregierung will auf die chinesische Wirtschaftspolitik reagieren und plant eine neue Verordnung, der chinesische Übernahmen von deutschen High-Tech-Firmen erschweren soll. Der BDI äußert sich dazu zurückhaltend. BDI-Vetreter Friedolin Strack fordert im „Handelsblatt“ zwar mehr Transparenz und Offenlegung von Eigentümerverhältnissen und Kreditverflechtungen, lehnt eine „umfassende staatliche Kontrolle der Direktinvestitionen“ aber ab.

Noch sitzt Chinas lautester Kritiker im Weißen Haus. Seit Jahren macht Donald Trump Stimmung gegen die chinesische Handelspolitik, die die USA übervorteile. Der Präsident hat schon Strafzölle in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar verhängt. Sollte China nicht einlenken, will er sie weiter erhöhen.

Investoren sind enttäuscht von Chinas leeren Versprechungen

China reagierte auf die US-amerikanischen Zölle seinerseits mit Vergeltungszöllen. Gleichzeitig wirbt die chinesische Regierung für den freien Handel. Auf der internationalen Import-Messe in Schanghai bemühte sich Xi Jinping um Vertrauen und erklärte: „Wir meinen es ernst mit der Öffnung des chinesischen Marktes.“ Zudem versprach er mehr Schutz für geistiges Eigentum, mehr Importe in China und den Abbau bürokratischer Hürden.  Doch seine Geschäftspartner wurden schon zu oft von der Hoffnung auf Reformen und bessere Bedingungen in China enttäuscht. 

„Ziel muss es sein, dass ausländische Unternehmen in China ähnlich gute Bedingungen vorfinden wie chinesische Unternehmen es schon heute in Deutschland und der EU tun“, sagte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Christian Hirte (CDU), der Nachrichtenagentur dpa.

„Diese ständige Wiederholung der Versprechungen, ohne ausreichend konkrete Maßnahmen oder Zeitvorgaben zu erwähnen, hat das Vertrauen der europäischen Geschäftswelt mehr und mehr geschwächt“, kritisiert auch die EU-Handelskammer in China im „Handelsblatt“.

Der Handelskrieg wird entscheidend davon abhängen, welche Verbündeten China und die USA gewinnen können. Beide stehen für unterschiedliche Systeme: Die USA für freie Marktwirtschaft und Demokratie, China für eine staatlich gelenkte Wirtschaft und Unfreiheit. Wenn es Donald Trump schafft, Europa in seinen Anti-China-Kurs einzubinden, droht ein neuer Kalter Krieg zwischen dem Westen und China. 

cm/mit Material der dpa

Das könnte euch auch interessieren:

 Krieg der Zukunft: China zeigt seine Macht mit einem neuen Kampfjet

 China geht gnadenlos gegen Millionäre und Milliardäre vor, um ein Exempel zu statuieren

 „Müssen uns auf Krieg vorbereiten“: An der Südflanke Chinas spitzt sich ein Konflikt gefährlich zu

Join the conversation about this story »

➡ Weiterlesen ⬅